Ideenpool für das CarSharing-Konzept auf dem Land

Wie könnte der Alltag aussehen, wenn in Sittensen ein Auto steht, das viele gemeinsam nutzen? Diese Seite sammelt Beispiele aus dem Alltag, eine Rechnung zum Nachvollziehen und ein paar Anregungen für die Samtgemeinde.

ThemaCarSharing mit festem Stellplatz
OrtSittensen
FormatIdeensammlung, kein Beschluss

Eine Ideensammlung aus der Nachbarschaft

CarSharing heißt: Ein Auto steht an einem festen Platz im Ort und wird von vielen Haushalten genutzt. Gebucht wird stundenweise oder tageweise, meist über eine App.

Ob ein solches Angebot nach Sittensen kommt, wie groß der Bedarf ist und wie darüber informiert wird, klärt die Samtgemeinde. Diese Seite greift dem nicht vor.

Uns geht es um eine andere Frage: Wie sieht der Alltag damit eigentlich aus? Deshalb haben wir Beispiele gesammelt, eine Beispielrechnung aufgestellt und ein paar Anregungen notiert. Alles ist als Vorschlag gedacht, entscheiden werden andere.

18 Situationen, in denen ein geteiltes Auto hilft

Vielleicht ist etwas dabei, das Ihnen bekannt vorkommt:

1
Der Ausflug: Zu viert gemeinsam bis zum nächsten Bahnhof und von dort mit dem Deutschlandticket ins Kino, Theater oder in einen Club nach Bremen oder Hamburg und wieder zurück. Stressfrei im Kombi, ohne lange Parkplatzsuche in der Innenstadt.
2
Der Familienbesuch: Ein Wochenende bei den Großeltern oder Verwandten in einem anderen Bundesland, dorthin, wo der eigene Kleinwagen zu eng ist oder der Zug nur selten fährt.
3
Festival oder Konzert: Mit Freundinnen und Freunden zum Open-Air-Konzert oder übers Wochenende an die Nordsee.
4
Das Band- oder DJ-Wochenende: Empfindliche Musiktechnik, Controller und Kabelkisten sicher zur Probe oder zum Auftritt bringen.
5
Der Umzug der Kinder: Das Kind zieht zum Studium nach Hannover oder Münster. In einen Kombi passt deutlich mehr, oft reicht eine einzige Fahrt.
6
Die Einkaufstour: Großeinkauf bei Dodenhof in Posthausen oder im Weserpark, mit Platz für alles, was in den Kofferraum passt.
7
Die Fahrt zum Baumarkt: Erde, Holzlatten oder Farbe für das Gartenprojekt am Wochenende abholen.
8
Der IKEA-Einkauf: Wird die Rückbank umgeklappt, passt auch ein Paket mit dem Regal hinein.
9
Die Gemüsekiste: Die Wochenkiste der solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) für sich und die Nachbarn abholen, wenn es für den Fahrradanhänger zu weit oder zu nass ist.
10
Die Fahrt ins Krankenhaus: Angehörige zur Behandlung oder zum Besuch in die Kliniken nach Rotenburg, Bremen oder Hamburg bringen, ohne auf Bus- und Bahnzeiten angewiesen zu sein.
11
Der Sportverein: Vier Kinder zum Auswärtsspiel ins Nachbardorf fahren, wenn das eigene Auto gerade in der Familie unterwegs ist.
12
Der Tierarzt-Notfall: Mit dem kranken Hund oder der Katze in eine Tierklinik außerhalb der Samtgemeinde fahren.
13
Das Ehrenamt: Flyer, Plakate oder einen Infostand zum Vereinsfest, zur Feuerwehrveranstaltung oder zu einer politischen Aktion bringen.
14
Das Auto ist in der Werkstatt: Zwei Tage ohne eigenes Fahrzeug. Mit dem Sharing-Auto bleibt man beruflich und privat mobil.
15
Die Fahrt zum Flughafen: Besuch entspannt vom Flughafen in Bremen, Hamburg oder Hannover abholen.
16
Die Probefahrt in die Zukunft: Wer noch nie ein Elektroauto gefahren ist, bucht es einfach für zwei Stunden. Ganz ohne Kaufdruck ausprobieren, wie sich so ein Auto fährt und wie das Laden geht.
17
Fahrgemeinschaften: Auch mit Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen gemeinsam zur Arbeit fahren und sich ein CarSharing-Auto teilen.
18
Wenn das Wetter nicht mitspielt: Normalerweise geht es mit dem Rad zum Bahnhof Tostedt. Bei Dauerregen oder Glatteis wird das Sharing-Auto spontan zur trockenen Alternative.

Was kostet ein Zweitwagen, und was CarSharing?

Wie viel bliebe übrig, wenn ein Haushalt auf den Zweitwagen verzichtet? Die folgende Rechnung ist ein Beispiel mit vorsichtig gewählten Zahlen. Sie soll beim Nachrechnen für die eigene Situation helfen.

Grundlage sind die Autokosten des ADAC für einen Kleinwagen (ADAC-Autokostencheck) und übliche Preise für CarSharing mit festem Stellplatz, wie sie zum Beispiel stadtmobil Karlsruhe anbietet.

Ein eigenes Auto kostet auch dann Geld, wenn es nur in der Einfahrt steht: Der Wert sinkt, Versicherung und Steuer laufen weiter. Diese festen Kosten werden oft unterschätzt, wenn es um die Frage geht: Brauchen wir wirklich einen Zweitwagen?

Was ein eigener Zweitwagen kostet (gebrauchter Kleinwagen)
KostenartBetrag pro Jahr
Wertverlust (Kleinwagen, etwa 5–6 % pro Jahr ab dem 3. Jahr; bei Neuwagen mehr)ca. 1.200 €
Versicherung (Haftpflicht und Teilkasko)ca. 400 €
Kfz-Steuerca. 100 €
Wartung, Reifen, TÜVca. 400 €
Kraftstoff (bei wenig Fahrten, etwa 3.000 km pro Jahr)ca. 350 €
Summe eigener Zweitwagenca. 2.450 € pro Jahr

Die Größenordnung stammt aus dem ADAC-Autokostencheck 2026 für Kleinwagen. Wertverlust, Versicherung, Steuer und Wartung fallen an, egal wie viel gefahren wird. Genau dieses Geld verschenkt ein Zweitwagen, der die meiste Zeit steht.

Zum Vergleich: CarSharing bei ähnlicher Nutzung

Angenommen, ein Haushalt nutzt das Sharing-Auto zweimal im Monat für vier Stunden und 100 Kilometer, zum Beispiel für einen Großeinkauf oder einen Ausflug. Dazu kommt einmal pro Quartal ein ganzes Wochenende, etwa für einen Familienbesuch.

NutzungKosten (üblicher Tarif für Kleinwagen)
24-mal im Jahr: 4 Stunden und 100 km (rund 2,10 € pro Stunde und 0,25 € pro km)ca. 24 × 33 € ≈ 790 €
4-mal im Jahr: ein Wochenende (Tagespauschale rund 26–35 €)ca. 4 × 60 € ≈ 240 €
Summe CarSharing bei dieser Nutzungca. 1.030 € pro Jahr

Die Preise orientieren sich an bekannten Anbietern mit festen Stellplätzen (zum Beispiel stadtmobil, Klasse „Mini/Klein“: etwa 2,10–2,20 € pro Stunde und 0,25–0,28 € pro Kilometer). Für Sittensen stehen noch keine Preise fest. Diese Rechnung dient nur zur Veranschaulichung und ist keine Preiszusage.

≈ 1.400 €
So viel bliebe in diesem Beispiel pro Jahr übrig. Dazu kommt: keine Parkplatzsuche, keine Werkstatttermine und kein Ärger mit einem Auto, das meistens nur steht.

Wo das Auto stehen könnte

Damit ein geteiltes Auto im Alltag wirklich funktioniert, kommt es auf den Standort an. Zwei Punkte, die uns dabei wichtig erscheinen:

🚗
Zentral und überdacht

Gut erreichbar wäre ein Platz dort, wo ohnehin viele unterwegs sind: am ZOB, am Marktplatz, in der Nähe von Mylos oder bei den Supermärkten. Ein überdachter Stellplatz schützt Fahrzeug und Technik.

🚲
Mit dem Rad erreichbar

Damit niemand ein Auto braucht, um zum Sharing-Auto zu kommen, wäre eine überdachte Fahrradstation hilfreich: Bügel zum sicheren Abschließen, kleine Schließfächer für Helm und Regenjacke, eine Luftpumpe und eine Lademöglichkeit für E-Bike-Akkus.

So einfach könnte es sein: mit dem Rad hinfahren, das Rad sicher abschließen, das Ladekabel abziehen und losfahren.

Ideen zum Mitmachen

Stichpunkte, die wir gern in die Diskussion geben:

Wettbewerb „Bilde eine Sharing-Gemeinschaft“

  • Vorbild ist das Stadtradeln: mitmachen kann, wer möchte.
  • Eingereicht wird eine eigene Idee für eine Nutzungsgemeinschaft.
  • Als Gewinn: bis zu sieben Tage kostenlose Nutzung.
  • Denkbar: pro mitmachender Person ein zusätzlicher freier Tag.
  • Nebeneffekt: Es wird sichtbar, wo der Bedarf tatsächlich liegt.
  • Aktionstag „Probefahrt in die Zukunft“: ein E-Auto in Ruhe ausprobieren, ohne Kaufabsicht, gern wiederkehrend.
  • Ehrenamt: vergünstigte Tarife oder Freistunden für Menschen, die sich engagieren.
  • Doppelte Nutzung: Fahrzeuge der Verwaltung tagsüber für Dienstfahrten, abends und am Wochenende für alle. Ein Modell, das in vielen Dorfauto-Projekten funktioniert.
  • Perspektive zeigen: von Anfang an sagen, dass das Angebot wachsen kann. Dann schreckt ein einmal ausgebuchter Termin niemanden dauerhaft ab.
  • Werbeflächen: Logos an den Fahrzeugtüren könnten laufende Kosten mittragen: große Flächen für größere Häuser, kleinere Flächen für Betriebe aus dem Ort.

Hinweise und Anmerkungen

Zur Beispielrechnung

  • Die Rechnung passt nicht für jeden Haushalt. Sie lohnt sich vor allem dort, wo wenig gefahren wird. Als Faustregel gilt: unter rund 14.000 Kilometern im Jahr. Wer viel pendelt und keine gute Bus- oder Bahnverbindung hat, fährt mit dem eigenen Auto meist günstiger. Das gehört aus unserer Sicht dazugesagt.
  • Es geht um den Zweitwagen, nicht um das einzige Auto. Auf dem Land ist ein Leben ganz ohne Auto für viele unrealistisch. Die Frage ist eher, ob es das zweite oder dritte Fahrzeug wirklich braucht.
  • Ein praktischer Online-Kostenrechner. Den können wir kostenlos zur Verfügung stellen, sobald realistische Zahlen vorliegen.

Erfahrungen aus anderen Orten

Im Landkreis Ebersberg trägt sich CarSharing dauerhaft ohne Zuschüsse, sogar in Orten mit weniger als 4.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Quelle: Mobilikon

Beim Sponsoring lohnt ein früher Blick auf die Förderbedingungen: In einem Fall wurde das Geld eines Sponsors nicht als Eigenanteil anerkannt, die Fördersumme wurde stattdessen gekürzt. Quelle: bcs Bundesverband CarSharing, Leitfaden zur Gründung neuer CarSharing-Angebote

Neue Angebote brauchen Zeit, bis sie sich herumgesprochen haben und wirtschaftlich laufen. Eine zu frühe Bewertung gilt als häufiger Stolperstein. Quelle: bcs Bundesverband CarSharing, Leitfaden zur Gründung neuer CarSharing-Angebote

In Gey in der Eifel haben örtliche Sponsoren ein E-Auto komplett finanziert, rund 16.000 Euro. Für die 1.900 Menschen im Dorf entstanden dafür keine Kosten. Das Auto ist rundum mit Logos beklebt. Quelle: Kreis Düren