Wahlprogramm 2026

Bündnis 90/Die Grünen · Ortsgruppe Sittensen

Grünes Upgrade für Sittensen


Vorwort – Wo wir 2021 aufgehört haben

Unser Wahlprogramm 2021 endete mit diesen Sätzen:

„Die Hitzewelle in Kanada, die Flutkatastrophe in Südwestdeutschland oder die Brände am Mittelmeer zeigen uns, dass der Klimawandel längst da ist und wir keine Zeit mehr verlieren dürfen, die Klimakrise zu bewältigen. Zwar findet Kommunalpolitik nicht auf der großen Bühne statt. Allerdings kann hier vor Ort die große Politik ganz konkret gemacht werden.“

Wahlprogramm 2021

Fünf Jahre später müssen wir feststellen: Diese Sätze waren kein Alarmismus, sie waren eine Untertreibung.

Ein bemerkenswertes Detail das oft übersehen wird: Die Katastrophen des Jahres 2021, die Hitzekuppel über Kanada, die Sturzfluten im Ahrtal, ereigneten sich nicht während eines starken El Niño, also nicht in einer Phase, in der das Weltklima ohnehin zusätzlich aufgeheizt wird. Sie fielen in eine neutrale bis kühlende La-Niña-Phase. Die Extremwetterlagen durchbrechen historische Rekorde nicht mehr knapp, sondern deutlich und schon heute. Das System verhält sich aufgrund der strukturellen Ungleichgewichte zunehmend sprunghaft und unberechenbar. Die Einschläge warten nicht mehr auf einen bestimmten Zyklus.

Was bedeutet das für die Börde Sittensen?
Die letzte Katastrophe ist nur wenige Kilometer an uns vorbeigezogen. Extremwetter, Hitzeperioden, Starkregen und Ernteausfälle werden wahrscheinlicher und das mit ganz konkreten finanziellen, sozialen und gesundheitlichen Folgen für unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger. Wir sehen es als kommunalpolitische Aufgabe, die Bürgerschaft ehrlich darüber aufzuklären und vor Ort vorzusorgen, statt nur zu reagieren.

2021 haben wir ein Update für Sittensen angeboten. 2026 sagen wir: Ein Update reicht nicht mehr. Es braucht ein Upgrade – ein grünes Upgrade der Kommunalpolitik.

Wie wir Politik machen wollen

Wir treten als Team an. Unsere Kandidatinnen und Kandidaten bringen unterschiedliche Berufe, Erfahrungen und Perspektiven mit. Vom Bauingenieurwesen und Energieberatung über Biologie, Architektur und Handwerk bis zu IT und Wirtschaft. Was uns verbindet: Wir gehen in die Räte, um die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger zu vertreten, nicht Einzelinteressen der gewählten, nicht Parteiprofilierung oder Ideologie. Wir möchten den Bürger einbeziehen.

Unser Anspruch an den Politikstil bleibt: transparenter, kommunikativer, schneller. Neu hinzu kommt: verständlicher und nahbarer. Ratsarbeit darf kein Fachchinesisch hinter verschlossenen Türen sein. Wir wollen Diskussionsräume öffnen, Entscheidungen erklären und Bürgerinnen und Bürger früh einbinden, damit Politik wieder Wertschätzung und Vertrauen bei allen gewinnen kann, unabhängig davon, wen man wählt.

Dazu gehört für uns konkret:

  • Hybride Ausschuss- und Ratssitzungen – in Präsenz und per Videoübertragung, sowie ein Frage- und Rederecht der Bürgerinnen und Bürger in allen Sitzungen. An dieser Forderung aus 2021 halten wir fest und werden entsprechende Änderungen der Geschäftsordnungen beantragen.
  • Ausbau der digitalen Kommunalverwaltung – Verwaltungsleistungen sollen digital zugänglich sein, ohne den analogen Weg abzuschneiden. Dabei setzen wir auf dezentrale, unabhängige Strukturen, damit die Verwaltung auch in Krisenzeiten arbeitsfähig und digital souverän bleibt.
  • Politik zum Mitmachen – regelmäßige, offene Formate, in denen Konzepte gemeinsam erörtert werden, bevor sie im Rat entschieden werden.

Unsere Kernthemen 2026

1. Umgang mit der Klimakrise – Vorsorge vor Ort

Klimaschutz und Klimaanpassung sind keine Zusatzthemen mehr, sondern der Rahmen, in dem alle kommunalen Entscheidungen stehen. Unser Leitbild: Bewahren und erhalten, neue Wege erschließen, sanieren statt abreißen. Denn „neu“ allein ist nicht immer besser.

Hitze- und Starkregenschutz durch Entsiegelung. Versiegelte Flächen heizen sich im Sommer auf und lassen Starkregen ungebremst abfließen. Wir wollen ein kommunales Entsiegelungsprogramm: Flächen prüfen, wo möglich entsiegeln, begrünen und Wasser vor Ort versickern lassen. Das kühlt die Ortskerne, schützt vor Überflutung und entlastet die Kanalisation.

Photovoltaik auf Parkplätzen. Große Parkplatzflächen sind ideale Standorte für überdachende PV-Anlagen: Sie erzeugen Strom, spenden Schatten und schützen Fahrzeuge vor Hitze und Hagel – ohne einen Quadratmeter zusätzlich zu versiegeln.

Bürgerbeteiligung an erneuerbaren Energieprojekten. Die Energiewende gelingt, wenn die Menschen vor Ort davon profitieren. Wir setzen uns dafür ein, dass Bürgerinnen und Bürger sich finanziell an Wind- und Solarprojekten in der Samtgemeinde beteiligen können – etwa über Bürgerenergiegenossenschaften. Wertschöpfung soll in der Börde bleiben.

Sanierung von Bestandsgebäuden – mit Vehicle-to-Grid gedacht. Der Gebäudesektor ist eine der größten Klimagasquellen. Wir werden ein Konzept zur Sanierung von Bestandsgebäuden ausarbeiten: ein Baukastensystem, das Bundes- und Landesförderprogramme mit Dachsanierung, Photovoltaik, Wärmepumpe, Stromspeicher und Wallbox verzahnt. Dabei planen wir bidirektionales Laden (Vehicle-to-Grid) von Anfang an mit ein: E-Autos werden so zu rollenden Stromspeichern, die das Netz stabilisieren und Sonnenstrom vom eigenen Dach nutzbar machen. Die heimische Handwerkerschaft wollen wir über Workshops einbinden, damit für jedes Gewerk eine Firma aus der Region benannt werden kann.

Baumkataster – Klarheit über unser grünes Kapital. Bäume sind unsere wichtigsten natürlichen Klimagas-Senken, Schattenspender und Wasserspeicher. Damit Entscheidungen über Baumbestände auf einer sachlichen Grundlage getroffen werden können, fordern wir – wie in vielen Kommunen längst üblich – das Anlegen eines Baumkatasters. Erst eine solche Baum-Inventur ermöglicht es, Kompensationsmengen korrekt zu berechnen. Wir schlagen vor, gefälltes Holzvolumen künftig mit dem Faktor zwei zu kompensieren. So erhält der Wert alter Baumbestände ein angemessenes Gewicht in der Abwägung – auch bei Erschließungen.

Kreislaufwirtschaft als Konzept für die Börde. Wir möchten Diskussionsräume öffnen und gemeinsam mit Betrieben, Landwirtschaft und Bürgerschaft Konzepte für eine regionale Kreislaufwirtschaft erörtern und ein Bewusstsein für Stoffkreisläufe schaffen.

Aufklärung und Vorsorge. Wir werden uns aktiv einbringen, die Bürgerinnen und Bürger über die Risiken von Hitze, Starkregen und Extremwetter zu informieren. Von Gesundheitstipps für Hitzeperioden bis zu Eigenvorsorge beim Starkregenschutz.

2. Wohnraum – bezahlbar, klimafest, mit Bestand

Sozialen Wohnungsbau fördern – auch durch Umnutzung gemeindeeigener Immobilien. Bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht von allein. Die öffentliche Hand sollte hier Gestaltungsspielräume prüfen und nach Möglichkeit selbst gestalten.

Sanieren statt abreißen. Häuser halten lange, und in bestehenden Gebäuden steckt viel graue Energie. Bevor abgerissen wird, muss ernsthaft geprüft werden, ob Substanz erhalten und weitergenutzt werden kann.

Das alte Rathaus erhalten. Wir möchten nach Möglichkeit die Substanz des alten Rathauses bewahren und schlagen vor, es zu einem Dorfgemeinschaftshaus umzufunktionieren.

Denkbar wäre der Ort als Jugendtreff, für Vereine, Repair-Café und Begegnungsstätte. Grundlage dafür soll eine ergebnisoffene Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsanalyse sein, die öffentlich vorgestellt und diskutiert wird. Die Entscheidung über die Zukunft des Rathauses gehört nicht in Hinterzimmer, sondern in den offenen Dialog mit der Bürgerschaft.

3. Mobilität – sicher, klimafest, für alle

Die Landstraße (Bahnhofstraße und Hauptstraße): entlasten und sanieren. Wir möchten gemeinsam im Rat Konzepte erarbeiten, wie die Landstraße, die durch den Ortskern führt, dazu beitragen kann, den Ortskern nicht weiter zu belasten und uns zugleich dafür einsetzen, dass sie zeitnah grundhaft saniert wird. Das jährliche Aufbringen einer neuen Schicht aus Teer und Splitt ist keine Instandhaltung, sondern ein Reparaturstau in Raten.

Tempo 30 im Ortskern: Wir wollen Tempo 30, ohne die Rettungsdienste auszubremsen. Deshalb klären wir vorab gemeinsam mit Feuerwehr und Rettungsdiensten, wie sich das umsetzen lässt.

Rettungswege und Logistik klimafest machen. Rettungswege und Versorgungslogistik spielen im Sittenser Ortskern eine zentrale Rolle. Sie müssen an den Klimawandel und die Anforderungen des Katastrophenschutzes angepasst werden, damit Feuerwehr, Rettungsdienste und Versorgung auch bei Hitze, Starkregen oder im Krisenfall zuverlässig funktionieren. Die Feuerwehr braucht dringend ein neues Gebäude, um diese Aufgaben in Zukunft bewältigen zu können.

Kurzfristig: Bustaktung erhöhen. Wer den ÖPNV attraktiv machen will, muss beim Fahrplan anfangen. Wir setzen uns für eine dichtere Taktung der Buslinien ein, insbesondere am Wochenende sowie zu Pendler- und Schulzeiten. Hier wollen wir uns für die Jugend ebenso wie für Berufspendler stark machen. Bei steigenden Spritpreisen könnte der ÖPNV oder eine Carsharing-Initiative, auch innerhalb der Samtgemeinde, eine Alternative zum Zweitwagen werden.

Gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer. Fußgänger, Radfahrende und Autoverkehr sollen in ihren Bedürfnissen gleichermaßen wahrgenommen und berücksichtigt werden. Wenn wir Entsiegeln möchten und das Verkehrsaufkommen reduzieren wollen, dann muss Politik auch Lösungen anbieten, die einen Zweitwagen unnötig machen. Die Samtgemeinde, und erst recht der Kernort Sittensen, braucht dafür ein Verkehrskonzept, das diesen Anspruch einlöst: sichere Schulwege, komfortable und klar markierte Radwege, barrierefreie Fußwege. Damit das Lastenrad auch hier für den Einkauf ohne größere Risiken genutzt werden kann.

Langfristig: Bahnanbindung für die Börde. Unser langfristiges Ziel ist die Anbindung der Samtgemeinde an den Schienenpersonenverkehr. Die Bahn ist bei Bürger*innen, jung wie alt, beliebt und wir werden uns auf allen Ebenen dafür einsetzen, dass diese Option ernsthaft vorangetrieben wird.

Alternative Mobilitätskonzepte. Zwischen eigenem Auto und Linienbus gibt es mehr: Carsharing, Mitfahrbänke und -plattformen, Rufbusse, sichere Fahrradabstellanlagen und gut platzierte Ladepunkte für E-Autos. Wir wollen solche Bausteine für die Börde prüfen und pilotieren.

4. Kommunale Finanzen – solide, transparent, vorsorgend

Solide und transparente Finanzen sind die Grundlage jeder positiven, nachhaltigen Entwicklung unserer Samtgemeinde. Für uns heißt das:

Transparenz. Haushaltsentscheidungen müssen für Bürgerinnen und Bürger nachvollziehbar sein. Wir setzen uns für eine verständliche Aufbereitung des Haushalts und öffentliche Erläuterung wesentlicher Investitionen ein.

Vorsorge rechnet sich. Jeder Euro, der in Klimaanpassung, Entsiegelung, Gebäudesanierung und resiliente Infrastruktur investiert wird, spart ein Vielfaches an künftigen Schadenskosten. Extremwetterschäden und Ernteausfälle sind auch ein finanzielles Risiko für die Kommune – wer heute vorsorgt, schützt den Haushalt von morgen.

Substanz erhalten statt teuer neu bauen. Sanierung und Umnutzung vorhandener Gebäude sind häufig wirtschaftlicher als Abriss und Neubau. Zugleich schont es das Klima und hilft das Ortsbild zu erhalten.

Gewerbeflächen im Eigentum der Gemeinden halten. Wir stehen auch weiterhin für eine Gewerbegebietsentwicklung nach dem sogenannten Landlord-Prinzip: Gewerbeflächen bleiben im Eigentum der Gemeinden und werden im Wege von Erbpachtverträgen an Betriebe vergeben. Das hat mehrere Vorteile. Die Unternehmen sparen sich die Grunderwerbskosten und können das Erbpachtrecht trotzdem bei einer Bank beleihen. Die Gemeinden gewinnen zugleich mehr Steuerungsmöglichkeit darüber, welche Unternehmen bzw. Branchen sich ansiedeln (z.B. mit einem Gleisanschluss an die EVB-Strecke) und wie lang die Vertragslaufzeit sein soll. So lassen sich dauerhafte Brachflächen vermeiden. Zusätzlich generiert die Erbpacht für die Gemeinden eine konstante Einnahmequelle, die verlässlicher ist als die konjunkturabhängige Gewerbesteuer.

5. Ortskerne beleben – Orte der Begegnung schaffen

Lebendige Ortskerne sind das Herz der Börde. Wir wollen:

Aufenthaltsqualität steigern. Entsiegelte, begrünte und beschattete Plätze laden zum Verweilen ein – und sind zugleich Hitzeschutz. Ortskernentwicklung und Klimaanpassung gehören zusammen gedacht.

Das alte Rathaus als Dorfgemeinschaftshaus (siehe Kernthema Wohnraum) kann zum Ankerpunkt eines belebten Ortskerns werden: ein Ort für Vereine, Kultur, Beratung und Begegnung – mitten im Ort, für alle Generationen.

Verkehr, der den Ortskern nicht erdrückt. Weniger Durchgangs- und Schwerlastverkehr, mehr Raum für Menschen: Das Verkehrskonzept (siehe Kernthema Mobilität) ist zugleich ein Ortskernbelebungskonzept.

Diskussionsräume öffnen. Wie sich unsere Ortskerne entwickeln, entscheiden wir am besten gemeinsam. Wir wollen offene Werkstattformate, in denen Bürgerinnen und Bürger, Gewerbetreibende und Vereine ihre Ideen einbringen.

Synergien im Untergrund nutzen. Wir halten an der Forderung nach einem Rohrgrabenkonzept fest: Tiefbaumaßnahmen aller Leitungsträger sollen mit einem Vorlaufhorizont von drei Jahren koordiniert werden – damit neue Straßen nicht kurz nach Fertigstellung wieder aufgegraben werden und der Glasfaserausbau (mindestens durch Leerrohre) zügig vorankommt.

Unsere Kandidatinnen und Kandidaten

Wir treten als Team an – mit unterschiedlichen Berufen und Perspektiven, aber einem gemeinsamen Ziel: die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger im Rat zu vertreten und die Börde Sittensen nachhaltig, sozial und zukunftsfähig mitzugestalten.

Für den Gemeinderat Sittensen

  • Christina Grabow – Dipl.-Biologin, Softwareentwicklerin
  • Ingo Hillert – Bäckermeister, Betriebswirt HwK
  • Arne Hinniger – Dipl.-Bauingenieur und Energieberater
  • Christopher Gertz – Wirtschaftsmathematiker, IT-Berater

Für den Samtgemeinderat

  • Christina Grabow – Dipl.-Biologin, Softwareentwicklerin
  • Arne Hinniger – Dipl.-Bauingenieur und Energieberater
  • Christina Behrens – Dipl.-Ing. Architektur, Lichtplanerin
  • Christopher Gertz – Wirtschaftsmathematiker, IT-Berater
  • Eike Grigat – Wirtschaftsingenieur
  • Kristin Grube – Disponentin
  • Karsten Behrens – Ingenieur
  • Uwe Hellmers – Zahntechniker
  • Ingo Hillert – Bäckermeister, Betriebswirt HwK

Schlusswort

2021 haben wir geschrieben, dass der Klimawandel längst da ist. Heute wissen wir: Er beschleunigt sich und er trifft uns auch hier, in der Börde Sittensen, mit Hitze, Starkregen und wachsenden Risiken für Gesundheit, Ernten und kommunale Finanzen.

Kommunalpolitik findet nicht auf der großen Bühne statt. Aber hier vor Ort wird die große Politik ganz konkret: bei jedem entsiegelten Platz, jedem sanierten Gebäude, jedem sicheren Radweg, jedem Bus, der öfter fährt, und jedem Ort, an dem Menschen zusammenkommen.

Dafür braucht es ein grünes Upgrade für Sittensen und dafür braucht es Ihre und Eure Stimmen, bei der Kommunalwahl am 13. September 2026 für die Samtgemeinde, die Gemeinde Sittensen und unsere Kandidatinnen und Kandidaten.

Herzliche Grüße
Euer Ortsverband Sittensen von Bündnis 90/Die Grünen